Gezielte Automatisierung als Weg zu Industrie 5.0

Gezielte Automatisierung als Weg zu Industrie 5.0

Industrie 5.0 steht für eine engere Zusammenarbeit von Menschen und Technologie. Ein neuer Forschungsansatz überträgt diesen Gedanken auf industrielle Entscheidungen: Algorithmen übernehmen Fälle mit geringem Zusatznutzen menschlicher Beteiligung, während Beschäftigte dort eingreifen, wo ihre Expertise den Ausgang verbessern und das System weiterlernen lassen kann.

Der Ansatz unterscheidet nicht einfach zwischen leichten und schwierigen Entscheidungen. Entscheidend ist die erwartete Wirkung des menschlichen Beitrags. Damit wird Fachwissen gezielter eingesetzt und nicht für Tätigkeiten gebunden, die ein Algorithmus zuverlässig erledigen kann.

Targeted automation offers an Industry 5.0 route to smarter operations

Menschliche Korrekturen als Lernsignal

In einem ersten Schritt wird untersucht, wann Beschäftigte algorithmische Empfehlungen verbessern. Ein Prognosemodell schätzt anschließend den voraussichtlichen Nutzen menschlicher Intervention für neue Fälle. Entscheidungen mit geringem erwarteten Mehrwert können automatisch verarbeitet werden; bei höherem Nutzen bleibt die menschliche Entscheidungsebene bestehen.

Die Korrekturen werden danach in den Algorithmus zurückgespielt. Diese Rückkopplung ermöglicht es, das System an neue Muster und veränderte Betriebsbedingungen anzupassen. Dadurch entsteht mehr als eine reine Effizienzautomatisierung: Die Technologie erhält einen Mechanismus zur kontinuierlichen Verbesserung.

Erfahrungen aus der Nutzfahrzeugproduktion

Untersucht wurden mehr als 475.000 auftragsbezogene Entscheidungen aus vier Jahren bei einem großen Hersteller von Nutzfahrzeugen mit einem Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro. Rund 84 % der Entscheidungen konnten in der untersuchten Anwendung automatisiert werden.

Die Zahl spricht nicht für den vollständigen Ausschluss menschlicher Expertise. Sie zeigt vielmehr, dass sich menschliche Aufmerksamkeit auf Fälle mit hoher Wirkung konzentrieren lässt. Unternehmen sollten deshalb zunächst den Mehrwert von Interventionen messen und erst danach Automatisierungsziele definieren. Beteiligt ist die Kühne Logistics University.

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