Videotechnik kann in industriellen Abläufen mehr leisten als die Überwachung von Anlagen und Zugängen. Neovia Logistics nutzt in Northampton Aufnahmen aus den Packbereichen zusammen mit Lagerdaten, um Reklamationen für BMW Group UK zu überprüfen. In den ersten vier Monaten nach dem Start sank die Zahl der Reklamationen um 40 Prozent.
Auslöser war eine Forderung von BMW im Zuge einer Vertragsverlängerung. Jede verpackte Bestellung sollte anhand von Bildmaterial nachvollziehbar sein, damit strittige Angaben zu nicht erhaltenen Teilen rasch bewertet werden können. Neovia führte Octave Coda Video Insight über den Partner Meridian CCTV ein und baute dabei auf einem bestehenden Netzwerk von 160 Kameras auf.

Eine digitale Spur für jede Bestellung
65 Kameras erfassen die Packbereiche im Erdgeschoss und auf der Mezzanine-Ebene. Die Aufzeichnung erfolgt kontinuierlich, die Speicherung über 30 Tage. Beim Verpacken wird der Barcode auf dem Auftragslabel gescannt. Der Vorgang aktualisiert das Lagerverwaltungssystem; einmal täglich werden die Auftragsdaten mit dem passenden Videomaterial synchronisiert.
Damit kann das Team eine konkrete Bestellung suchen, die Packsequenz ansehen und mit dem ursprünglichen Auftrag abgleichen. Der Nutzen reicht über die reine Beweisführung hinaus: Die Informationen helfen, fehlende Teile von falsch gelieferten Teilen oder anderen Prozessabweichungen zu unterscheiden.
Nach dem Go-live im Dezember 2025 konnte Neovia innerhalb von vier Monaten mehr als 370 Reklamationen wegen angeblich nicht eingegangener Teile erfolgreich zurückweisen. Bei einer Ablehnung lässt sich das relevante Video in der Managementsoftware bearbeiten und unter Beachtung der britischen Datenschutzanforderungen an den Kunden übermitteln. Für einen Einspruch bleiben 14 Tage.

Rückkopplung für robuste Abläufe
Die Aufzeichnungen machten auch einen internen Fehler sichtbar: Bestellungen, die korrekt kommissioniert, verpackt und etikettiert waren, wurden teilweise in den falschen Versandbehälter gelegt. Neovia nutzt konkrete Videobeispiele nun für Schulungen und Coachings. So wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Ursache einer Abweichung sichtbar.
Der strukturierte Prozess hilft Kunden außerdem, Reklamationen unter der passenden Kategorie einzureichen. Das kann unnötige Untersuchungen vermeiden und die Bearbeitung beschleunigen. Weniger neue Fälle deuten darauf hin, dass die zusätzliche Transparenz das Verhalten und die Qualität der Übergaben verbessert.
Neovia teilt die britische Umsetzung als Best-Practice-Modell für die Automobillogistik in Europa, Nordamerika und Asien. Der Fall verdeutlicht einen praktischen Industry-5.0-Ansatz: Vorhandene digitale Infrastruktur liefert Mitarbeitenden bessere Informationen für Entscheidungen, Lernen und kontinuierliche Verbesserung, ohne dass Kameras als isolierte Sicherheitslösung betrieben werden müssen.






