Strukturelle Unterschiede prägen die Logistikkapazität

Strukturelle Unterschiede prägen die Logistikkapazität

Die Straßentransportmärkte in Europa und den Vereinigten Staaten haben seit 2024 deutlich unterschiedliche Entwicklungen gezeigt. Während beide Regionen im Jahr 2022 ähnliche Kapazitätsbewegungen erlebten, haben sie in den letzten Jahren deutlich verschiedene Kurse eingeschlagen. Christian Dolderer, leitender Forschungsanalyst bei Transporeon, einem Unternehmen von Trimble, analysiert den Markt und erklärt die Hintergründe dieser Trends mit Blick auf 2026.

Der Kapazitätsindex, basierend auf Transaktionsdaten, spiegelt die allgemeine Marktstimmung hinsichtlich verfügbarer Straßengüterkapazitäten wider. Der Vergleich der Entwicklungen in beiden Regionen bietet tiefere Einblicke in die zugrunde liegenden Dynamiken von Angebot und Nachfrage.

Im Jahr 2022 erlebten sowohl Europa als auch die USA erwartete Kapazitätsengpässe, gefolgt von einer Erholung einige Monate später. Das US-Markt erlebte diesen Zyklus jedoch etwa vier Monate früher als Europa. Im Jahr 2023 erreichte die verfügbare Kapazität in beiden Regionen den höchsten Stand seit Jahren, bevor sich die Märkte im ersten Quartal 2024 zu divergieren begannen.

In den USA blieb die verfügbare Kapazität bis zum vierten Quartal 2025 hoch, was ein günstiges Marktumfeld für Versender und Makler schuf. Im Gegensatz dazu sank die Kapazität in Europa stetig, ein Trend, der nach einer kurzen Stabilisierung im Jahr 2025 in das Jahr 2026 fortgesetzt wurde.

Laut Dolderer lässt sich diese Entwicklung weitgehend durch Unterschiede in der Marktreaktion auf der Angebotsseite erklären:

Europäische Anbieter reagierten relativ schnell auf sinkende Margen und sharply steigende Betriebskosten, indem sie ihre Flotten reduzierten. Die zunehmende Anzahl an Insolvenzen in der Branche beschleunigte diesen Prozess. Zusammen mit rückläufiger Transportnachfrage im Jahr 2024 und der ersten Hälfte von 2025 erklärt dies die anhaltende Kapazitätskonsolidierung in Europa. Dadurch ist das Marktklima für Versender und Makler deutlich weniger günstig als in den USA.

In den USA ist ebenfalls ein jüngster Rückgang der Kapazität sichtbar geworden. Neben der erhöhten Transportnachfrage weist Dolderer auf externe Faktoren hin: „Schwere Wetterbedingungen hatten temporäre Auswirkungen, aber wir sehen auch klare Signale auf der Angebotsseite. Neue Zulassungen für schwere Nutzfahrzeuge gingen 2025 stark zurück, was deutlich macht, dass der Rückgang anhält. Weniger Investitionen in Flottenerweiterung und Modernisierung könnten auf einen strukturellen Wandel hin zu Konsolidierung nach Jahren der Überkapazität hindeuten.“

Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt die Transportkapazität in den USA historisch gesehen reichlich vorhanden. Dolderer beschreibt den Trend daher eher als eine psychologische Korrektur denn als einen fundamentalen Wandel: „Nach Jahren, in denen die Nachfrage das Angebot überstieg, reagieren Märkte stark auf Anzeichen von Knappheit, selbst wenn die tatsächliche Kapazität relativ hoch bleibt.“

In den kommenden Wochen erwartet Dolderer eine leichte Entspannung der Kapazitäten in beiden Regionen aufgrund saisonaler Faktoren. Für 2026 rechnet er jedoch mit unterschiedlichen Dynamiken: „In den USA wird die Kapazität voraussichtlich weiter sinken. Diese Entwicklung wird weniger durch Nachfragewachstum getrieben, sondern mehr durch Reaktionsmuster der Anbieter und Insolvenzen. In Europa hingegen erwarte ich, dass eine Erholung der Transportnachfrage den Druck auf die Kapazitäten weiter erhöhen wird.“

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