Resiliente Produktion braucht mehr als Just-in-time-Luftfracht
Die jüngste Störung der Flugsicherung an britischen Flughäfen hat der Industrie eine grundsätzliche Abhängigkeit vor Augen geführt: Auch ein optimiertes Liefernetz kann an wenigen physischen Knoten hängen. Fällt einer davon aus, wird aus einer Transportverzögerung schnell ein Risiko für die Produktionskontinuität.
Täglich werden Tausende Tonnen Fracht über britische Flughäfen bewegt, vielfach im Frachtraum von Passagierflugzeugen. Werden Flüge gestoppt, fällt ein Teil dieser Kapazität unmittelbar weg. Hersteller können dann auf Ersatzteile, elektrische Komponenten oder Spezialausrüstung warten, die nicht kurzfristig aus einer anderen Quelle beschafft werden kann.

Automatisierung löst keine physischen Engpässe
Digitale Einkaufssysteme, Sendungsverfolgung und automatische Warnungen machen Verzögerungen früher sichtbar. Sie öffnen jedoch keinen geschlossenen Flughafen und verlängern nicht die Verwendbarkeit eines Produkts, dessen Zustellung an ein enges Zeitfenster gebunden ist.
Besonders deutlich wird das im Gesundheitswesen. Per Flugzeug werden Organe, Blutprodukte, biologische Materialien und bestimmte radioisotopenbasierte Krebsdiagnostik transportiert. Bei solchen Sendungen kann ein Ausfall klinische Folgen haben.
Geringe Lagerbestände verschärfen die Situation. Laut Global Supply Chain Resilience Outlook könnten 51 % der Unternehmen nach einem schweren Lieferkettenschock den täglichen Betrieb nicht länger als drei Wochen ohne Unterbrechung aufrechterhalten.
Gezielte Redundanz statt pauschaler Mehrbestände
Industrieunternehmen sollten Abhängigkeiten auch jenseits ihrer direkten Lieferanten digital erfassen, alternative Bezugsquellen qualifizieren und kritische Materialien priorisieren. So lassen sich gezielte Puffer aufbauen, ohne überall die Bestände zu erhöhen.
Bessere Daten können alternative Transportwege, die Verteilung knapper Kapazitäten und eine präzisere Planung unterstützen. Entscheidend ist, dass ein automatischer Alarm eine vereinbarte Handlung auslöst. Der Vorfall an britischen Flughäfen zeigt, dass Resilienz in das Betriebsmodell integriert werden muss, bevor die Krise eintritt.






