Autonome Beschaffung verändert den Frachtkauf

Autonome Beschaffung verändert den Frachtkauf

Aufgrund der sich ständig weiterentwickelnden Technologielandschaft, die die Arbeitsweise von Unternehmen weltweit verändert, ist es keine Überraschung, dass auch die Frachtbeschaffung einen großen Wandel durchläuft. Mit der Einführung neuer digitaler Beschaffungstools ändert sich die Art und Weise, wie Fracht beschafft und vergeben wird, erheblich, um KI-gestützt, datengetrieben und zunehmend autonom zu sein. Für Versender und Spediteure bedeutet dies, Zeit zu sparen, Kosten zu senken und Ressourcen besser zu nutzen. Bernhard Schmaldienst (im Bild, unten), Associate VP Transporeon Produkte, Trimble, erkundet das Potenzial KI-gestützter Technologien, die den Spotmarkt, wie wir ihn kennen, transformieren.

Der Aufstieg des Spot-Frachtmarkts

In ganz Europa wird immer mehr Fracht auf dem Spotmarkt abgewickelt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Flottenreduzierungen und Fahrermangel führen zu Kapazitätsengpässen bei den Spediteuren. Versender möchten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oft keine festen Volumina langfristig zusagen. Das macht die Spot-Zuweisung attraktiver.

Diese Flexibilität hat jedoch ihren Preis. Das manuelle Bearbeiten einzelner Anfragen ist zeitaufwendig, fehleranfällig und bindet Ressourcen sowohl bei Versendern als auch bei Spediteuren. Während Einkäufer Anfragen stellen, auf Angebote warten und diese vergleichen sowie bewerten, investieren Spediteure beträchtliche Ressourcen in komplexe Berechnungen, ohne eine Garantie für das richtige Ergebnis zu haben.

Vom Preisnehmer zum Preiserzeuger

Eine autonome Beschaffungslösung dreht diesen Prozess um. Statt dass Spediteure Angebote abgeben, tun dies die Versender, unterstützt durch künstliche Intelligenz. Basierend auf historischen Spot- und Frachtraten-Daten, einem festgelegten Preisspanne und einer festen Höchstpreisgrenze sowie logistischen Parametern wie Vorlaufzeiten, Transportarten und Nachhaltigkeitskriterien. Diese werden dann in Echtzeit auf der Plattform veröffentlicht, individuell auf die einzelnen Spediteure zugeschnitten. Integrierte KI analysiert anschließend die Frachtführer anhand vergangener Buchungen und entwickelt maßgeschneiderte Angebote, was eine hohe Differenzierung bei der Angebotserstellung ermöglicht. Das System prognostiziert dann automatisch einen Preis für jeden Spediteur, der innerhalb der festgelegten Spanne liegt.

Wenn eine Bestellung zu den anfänglichen Preisen nicht gebucht wird, passt das System den Preis dynamisch an oder startet zusätzliche Ausschreibungsrunden. Der Unterschied zwischen einer automatisierten und einer autonomen Lösung besteht darin, dass die autonome Beschaffung selbst bestimmt, welche Spediteure als nächstes eingeladen werden, welche Bedingungen sie erhalten und wie lange jede Runde dauert. Früher ein zeitaufwändiger Prozess, kann dies jetzt innerhalb von Sekunden, skalierbar, fehlerfrei und jederzeit erfolgen. Messungen zeigen, dass der Anteil der automatisch zugeordneten Aufträge bis zu 90 Prozent beträgt, wobei die durchschnittliche Zuordnungszeit auf 70 Minuten sinkt. Mit den verfügbaren, strukturierteren historischen Daten zu Fracht, Routen und Spediteuren wird das System immer präziser und effizienter. Plattformbasierte Transportmanagementsysteme bieten hierfür die beste Grundlage, insbesondere wenn sie Zugang zu einem breiten Netzwerk und zuverlässigen Marktdaten bieten.

Spot-Einkauf in einen strategischen Vorteil verwandeln

Der Vorteil für Versender ist klar: Die Produktivität pro Disponent steigt dank Outsourcing des Spot-Einkaufsprozesses jährlich um 20 Prozent. Teams können sich somit auf strategische Geschäfte und ihre Geschäftsbeziehungen konzentrieren, anstatt auf repetitive und zeitaufwändige manuelle Arbeiten. Gleichzeitig hilft das System, die besten verfügbaren Spotpreise zu ermitteln, die in der Regel acht bis zwölf Prozent niedriger sind als bei herkömmlichen Ausschreibungsverfahren. Das ermöglicht auch weniger erfahrenen Teammitgliedern, Spot-Fracht effizient zu vergeben, unterstützt durch die Algorithmen der Technologie.

Warum Spediteure von intelligenterer Frachtzuweisung profitieren

Langfristig funktioniert eine neue Lösung nur, wenn beide Seiten profitieren. Was ist also der Vorteil für Spediteure? Nun, sie müssen keine Zeit in ein Angebot investieren, sondern können neue Aufträge sofort mit einem Klick annehmen oder die Auftragsannahme vollständig automatisieren. Gleichzeitig erhalten sie volle Transparenz über angebotene Sendungen, inklusive aller notwendigen Details. Das vereinfacht die Terminplanung, auch bei kurzfristigen Anfragen, und reduziert Leerfahrten. Zudem profitieren sie von zuverlässigen, pünktlichen Zahlungen, was Vertrauen schafft und die Planung erleichtert – insbesondere für kleine und mittlere Spediteure.

Automatisierung mit menschlicher Expertise ausbalancieren

Laut Spediteuren und aktuellen Branchenstudien können derzeit etwa 95 Prozent der Fracht vollständig automatisiert angeboten werden. Obwohl dies einschüchternd wirken mag, ist es wichtig zu bedenken, dass autonome Systeme neben den Mitarbeitenden arbeiten, um deren Leistung zu verbessern. Sie zeigen, wie moderne Technologie und menschliche Fähigkeiten harmonisch ausbalanciert werden können. Während diese Software in der Lage ist, Marktpreise schnell und genau für alle Routen und Regionen zu analysieren, sind Menschen notwendig, um Regeln zu hinterfragen, Ausnahmen zu bewerten und strategische Entscheidungen zu treffen. Besonders in einem Umfeld, in dem Erfahrung, Geschäftsbeziehungen und strategische Entscheidungen zählen, schafft die Kombination aus menschlicher Expertise und moderner Technologie den größten Mehrwert.

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