AIS-freier Betrieb prüft die Widerstandsfähigkeit der Ölversorgung
Rohölexporte durch die Straße von Hormus werden trotz Angriffen auf einzelne Schiffe fortgesetzt. Das Transportmodell hat sich jedoch verändert. Tanker deaktivieren AIS, fahren in Konvois und übergeben Ladung auf See, um das Risiko beim Transit durch den strategischen Engpass zu senken.
Die Entwicklung ist auch für Industrie 5.0 relevant: Resilienz hängt nicht allein von Automatisierung ab, sondern von verlässlichen Daten. Vom 16. bis 23. September wurden 55 Transits mit aktivem AIS registriert, rund 94 Prozent weniger als vor dem Konflikt mit etwa 910 Bewegungen pro Woche. Der Rückgang der sichtbaren Schiffe entspricht jedoch nicht automatisch einem Rückgang des tatsächlichen Verkehrs, da die Ortung bewusst abgeschaltet werden kann.
Mehr Sicherheit durch zusätzliche Übergaben
Das neue Muster funktioniert wie ein Shuttle-System. Große Rohöltanker laufen mit deaktiviertem AIS in den Golf ein, übertragen ihre Ladung im Golf von Oman und kehren durch die Straße von Hormus zurück. Anschließend kann das Rohöl auf Suezmax-Tanker verteilt werden. Dadurch sinkt die Zahl der Schiffe, die den besonders gefährdeten Abschnitt passieren müssen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Übergabepunkte, manuelle Abstimmungen und mögliche Abweichungen zwischen dem physischen Warenfluss und dem digitalen Datensatz.
Zwischen dem 20. und 22. September verließen schätzungsweise 26,72 Millionen Barrel Rohöl den Golf durch die Meerenge. Etwa zwei Drittel wurden danach über Umladungen zwischen Schiffen weitertransportiert. Das entsprach rund 8,9 Millionen Barrel pro Tag, stellte aber einen Konvoi-Höhepunkt und keine bestätigte dauerhafte Exportleistung dar.
Planung mit unvollständiger Datenlage
Der Iran fordert Schiffe auf, den nördlichen Korridor durch seine Hoheitsgewässer zu nutzen. Wachsende Mengen saudischen, irakischen und kuwaitischen Rohöls sowie Teile der Exporte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nehmen die südliche Route, die von US-Luftverteidigung und Marineeinheiten unterstützt wird. Die saudischen Verladungen an Golfterminals erreichten in den ersten 27 Septembertagen schätzungsweise 3,9 Millionen Barrel pro Tag. Beobachtete Ladungen gingen überwiegend nach China und Indien; ein Teil wurde über Transfergebiete vor Fujairah und Oman geleitet.
Für europäische Industrieunternehmen wird es schwieriger, absichtliche AIS-Funkstille von Verzögerungen oder technischen Störungen zu unterscheiden. Unsicherheit entsteht auch bei Frachtkontrolle, Versicherungsrisiken und verfügbarer Tankerkapazität. Umladungen können die Versorgung kurzfristig aufrechterhalten, doch ein weiterer Angriff könnte Routen, Frachtkapazität und regionale Kraftstoffversorgung schnell beeinträchtigen.






